
Seit 2021 setze ich auf Nextcloud. Damals fast zeitgleich an zwei Stellen: im Unternehmen bei cpcMomentum und privat. Es ging mir um eine Sache. Ich wollte wissen, wo meine Daten liegen, und nebenbei ein deutsches Unternehmen unterstützen.
Inzwischen ist daraus mehr geworden. Bei einer meiner Firmen hoste ich Nextcloud heute selbst. Und ich habe angefangen, mir fehlende Funktionen als eigene Apps zu bauen. Drei sind es bis heute. Im Rückblick sind das drei Ebenen von Souveränität: die Daten, die Plattform und die Funktionen. Sie gehören zusammen, aber jede hat ihre eigene Geschichte. Vor allem hängen sie nicht so streng voneinander ab, wie ich anfangs selbst dachte.
Ebene eins: die Daten
2021 haben wir bei cpcMomentum auf Nextcloud umgestellt, gehostet bei einem Managed-Hoster aus Deutschland, also einem Anbieter, der den Betrieb komplett für uns übernimmt. Der Schritt war Teil eines größeren Musters. US-Software raus, wo es geht, deutsche oder europäische Alternativen rein. Ich gehe dabei nicht dogmatisch vor. Ich wäge zwischen Kosten, Nutzen und Funktion ab.
Eine Sache sollte man fairerweise dazusagen. Vor fünf Jahren war Nextcloud an manchen Stellen noch ziemlich rudimentär. Seitdem hat sich enorm viel getan. Was damals noch unfertig wirkte, ist heute eine ausgereifte Basis, auf die ich mich täglich verlasse.
Für die Datenhaltung war Nextcloud die richtige Wahl, und das ist sie bis heute. Dateien, Kalender, Kontakte, der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Diese Ebene läuft seit Jahren ohne Drama.
Wo es nicht weiterging
Mit der Zeit bin ich an zwei Grenzen gestoßen. Sie zeigen in zwei ganz verschiedene Richtungen.
Die erste betrifft die Plattform. Unser Managed-Hoster bei cpcMomentum ist abgeriegelt. Ich kann dort keine eigenen Apps installieren. Der Hoster gibt vor, was läuft, und prüft jede Erweiterung gegen seine eigenen Vorgaben. Für den Normalbetrieb ist das in Ordnung. Sobald ich etwas Eigenes wollte, war Schluss.
Die zweite betrifft Nextcloud selbst. Auch das fertige Produkt hat Lücken. Das habe ich an der eingebauten Terminbuchung erlebt, die ich bei Kunden am Ende doch nicht nutze. Vorhandensein sagt nichts über Reifegrad. Manche Funktionen fehlen ganz, andere sind da, aber nicht gut genug für meinen Anwendungsfall.
Für manche Lücken gibt es zwar Apps aus der Community. Aber die entstehen oft in der Freizeit oder als Hobby. Mal passen sie nicht ganz zu meinem Fall, mal schläft die Weiterentwicklung irgendwann ein. Open Source heißt eben nicht automatisch lebendig.
Früher hätte ich an dieser Stelle resigniert. Auf eine Roadmap warten, ein zusätzliches Tool kaufen, oder den Wunsch begraben. Heute gehe ich beide Grenzen an. Jede auf ihre eigene Weise.
Ebene zwei: die Plattform
Wie viel Kontrolle ich über die Plattform habe, hängt davon ab, wo ich hoste. In meinem eigenen Umfeld habe ich darauf drei verschiedene Antworten.
Beim Managed-Hoster bei cpcMomentum ist sie am strengsten. Bequem, aber zugesperrt. Meine private Nextcloud läuft bei einem anderen Anbieter, und dort kann ich über eine Schnittstelle sogar eigene Apps hochladen. Bequem und trotzdem offen. Und bei der bedethi GmbH, wo ich Gesellschafter bin, bin ich den ganzen Weg gegangen.
Dort lief bis Anfang des Jahres alles auf Microsoft. SharePoint, Teams, das ganze Microsoft-Paket. Den Wechsel zu Nextcloud hatten wir uns schon lange vorgenommen, ihn aber nie wirklich angepackt. Es brauchte zwei Dinge. Erstens die Überzeugung im Führungskreis, dass Nextcloud der richtige Weg ist. Und zweitens einen konkreten Anlass.
Den lieferten ausgerechnet meine eigenen Apps. Ich hatte sie gebaut, aber auf dem alten Setup konnten wir sie nicht richtig nutzen. Irgendwann war der Gedanke da: Dann ziehen wir eben um, auf eine eigene Nextcloud, und nutzen die Apps endlich so, wie sie gedacht sind. Seit Ende April läuft sie produktiv, auf einem eigenen Server bei Hetzner. Umgezogen sind wir nicht an einem Stichtag, sondern fließend, Datenart für Datenart.
Souveränität auf der Plattform ist also keine Frage von ganz oder gar nicht. Es ist eine Skala. Ich wähle pro Fall, wie viel Kontrolle ich brauche und wie viel Aufwand ich dafür auf mich nehme. Mal reicht der bequeme Hoster, mal will ich alles selbst in der Hand haben.
Ebene drei: die Funktionen
Die dritte Ebene hat mit Servern erstaunlich wenig zu tun. Hier geht es um die Lücken, die Nextcloud lässt, und darum, dass ich sie inzwischen selbst fülle. Drei Apps sind so entstanden. Jede aus einem konkreten Problem.
Die erste ist eine Arbeitszeiterfassung. Arbeitszeit muss in Deutschland erfasst werden, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Ich wollte das sauber und nachvollziehbar haben, statt mit Tabellen zu hantieren. Also habe ich eine Nextcloud-App gebaut, die Pausen nach dem Arbeitszeitgesetz rechnet, ein Urlaubskonto führt und einen Monatsbericht als PDF ausgibt.
Die zweite verwaltet Verträge. Ich verliere bei Verträgen leicht den Überblick, vor allem bei Fristen. Genau die Art Sache, die man vergisst, bis sich ein Vertrag stillschweigend um ein Jahr verlängert hat. Jetzt erfasse ich Verträge systematisch und werde rechtzeitig vor Kündigungsfristen erinnert.
Die dritte ist privat und ein Hobby. Ich trinke gerne Wein und wollte den Bestand mit Lagerplatz und Verkostungsnotizen ordentlich verwalten. Es gibt Apps dafür, aber die, die ich ausprobiert habe, taugte nichts. Also habe ich meine eigene gebaut. Seit Mitte Mai steht sie sogar im Nextcloud App Store.
Reibungslos war das nicht. Ein Wochenende habe ich mit sechs Notfall-Versionen verbracht, fünf davon nur, um die Fehler des jeweils vorherigen zu beheben. App-Bau bleibt Arbeit, auch mit KI.
Was das erst möglich gemacht hat
Bleibt eine Frage. Wieso konnte ich diese Apps überhaupt bauen? Nicht wegen des eigenen Servers. Der gibt ihnen nur einen Platz zum Laufen, und am Ende war es sogar andersherum: Die fertigen Apps waren der Anstoß für den eigenen Server, nicht umgekehrt. Möglich gemacht hat das Bauen etwas ganz anderes.
Ich bin kein Vollzeit-Entwickler und schon gar kein Profi. Vor ein paar Jahren wäre der Gedanke, eigene Nextcloud-Apps zu bauen, für mich nicht realistisch gewesen. Was sich geändert hat, ist die Art, wie ich arbeite. Genauer: ein strukturierter Ansatz, den wir bei cpcMomentum gemeinsam mit unserem Software-Entwickler aufgebaut haben. Nicht "die KI schreibt Code und alles ist gut", sondern ein Prozess mit klaren Schritten für Planung, Umsetzung, Prüfung und Veröffentlichung. Die KI beschleunigt. Die Qualität kommt aus dem Prozess.
Erst diese Arbeitsweise hat aus dem Wunsch eine echte Möglichkeit gemacht. Wie das konkret funktioniert, ist eine eigene Geschichte. Dazu schreibe ich später mehr.
Was bleibt
Souveränität auf drei Ebenen kostet Zeit und Aufmerksamkeit. Daten, Plattform, Funktionen, alles will gepflegt werden. Das ist ehrlich gesagt der Preis. Es ist mehr Arbeit, als eine fertige Plattform zu mieten und sich an ihre Grenzen zu gewöhnen.
Dafür weiß ich, wo meine Daten liegen und was mit ihnen passiert. Und ich warte nicht mehr darauf, dass jemand anderes eine Funktion baut, die ich brauche.
Ich werde berichten.