Eine App bauen ist nur der Anfang

22. Mai 2026

Eine App bauen ist nur der Anfang

Vor einer Weile wollte ich etwas ausprobieren. Kann ich, als jemand, der nicht programmieren kann, mit KI eine richtige App bauen? Eine Website hatte ich schon gebaut, und ein kleines Tool fürs Handy. Aber eine vollwertige Anwendung, die eine echte Funktion erfüllt, das war eine andere Hausnummer. Ehrlich gesagt war ich mir nicht sicher, ob ich das hinbekomme.

Den Anlass lieferte ein Ärgernis aus dem Alltag. Ich muss in meinen Unternehmen die Arbeitszeit erfassen, und das lief bei mir über eine Excel-Tabelle, die mit der Zeit umständlich und fehleranfällig wurde. Für eine fertige App wollte ich kein Geld ausgeben, und weil ich von Nextcloud überzeugt bin, sollte die Lösung am besten direkt darin laufen. Also habe ich angefangen, mir selbst eine zu bauen. Benannt habe ich sie ganz naheliegend, nämlich WorkTime.

WorkTime erfasst Arbeitszeiten, rechnet Pausen nach dem Arbeitszeitgesetz, führt ein Urlaubskonto und gibt am Monatsende einen sauberen Nachweis als PDF aus. Mitarbeiter reichen ihren Monat ein, ein Vorgesetzter gibt ihn frei. Als der erste echte Monatsnachweis auf diesem Weg durchlief und genehmigt wurde, war das für mich ein kleiner Moment. Aus dem Versuch war etwas geworden, das tatsächlich benutzt wird.

Die ersten Wände

So glatt, wie das jetzt klingt, lief es natürlich nicht. Kurz nach dem ersten Aufspielen auf den Server zeigte die App einfach nichts an. Überall stand "Keine Einträge". Im Hintergrund meldete der Browser einen Fehler mit einer kryptischen Nummer, mit der ich erst mal gar nichts anfangen konnte. Ich habe lange gesucht und dabei mehrere Spuren verfolgt, die sich alle als falsch herausstellten.

Am Ende war die Ursache fast banal. Mein Benutzerkonto war zwar in Nextcloud angemeldet, aber in der App noch gar nicht als Mitarbeiter angelegt. Die App verhielt sich völlig korrekt. Sie sagte es nur so unverständlich, dass ich es nicht erkannte.

Genau an solchen Stellen merkt man, dass man kein Profi ist. Ein erfahrener Entwickler hätte die Meldung sofort eingeordnet. Ich musste erst die Regeln verstehen, nach denen Nextcloud und meine eigene App zusammenspielen. Dieses Lernen zieht sich durch das ganze Projekt. Es ist mühsamer und lehrreicher als das eigentliche Schreiben von Code.

Plötzlich nutzen Fremde meine App

Irgendwann habe ich WorkTime in den Nextcloud App Store gestellt. Damit war sie für jeden öffentlich zugänglich, und jeder mit einer eigenen Nextcloud konnte sie installieren.

Was dann passierte, hatte ich nicht auf dem Schirm. Ich sehe nämlich gar nicht, wie viele Menschen die App benutzen. Es gibt keine Anzeige, die mir das verrät, keine Zahl, kein Dashboard. Ich merke es nur indirekt.

Denn wer eine App in den App Store stellt, muss sie öffentlich auf einer Plattform namens GitHub bereitstellen. Und dort fingen auf einmal wildfremde Leute an, sich zu melden.

Ein Fall ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Jemand installierte WorkTime frisch, öffnete sie zum ersten Mal, und die App brach ohne verständliche Meldung ab. Es war im Kern dieselbe Kante, über die ich während der Entwicklung selbst gestolpert war: ein Konto ohne Mitarbeiterprofil. Nur saß diesmal ein Fremder davor und berichtete es mir. Das hat mich angespornt. Ich habe einen richtigen Willkommens-Bildschirm gebaut, der neue Nutzer an die Hand nimmt, statt sie mit einem Fehler allein zu lassen. Aus einem peinlichen Moment wurde eine bessere App.

Andere Rückmeldungen waren kleiner, aber genauso nützlich. Einer wies mich darauf hin, dass die App nur zur Hälfte ins Englische übersetzt war. Also habe ich die Übersetzung vervollständigt. Ein anderer wünschte sich eine bessere Verwaltung von Projekten, die habe ich nachgebaut. Manche schrieben auf Englisch. Wer GitHub nicht nutzt, schickte einfach eine E-Mail. Und ein paar Leute haben mich sogar angerufen und gefragt, ob ich auch für sie etwas in Nextcloud bauen könnte.

Das hat mich überrascht. Da vertrauen mir Menschen, die ich nie getroffen habe, ein Stück ihrer täglichen Arbeit an. Open Source fand ich schon immer gut, aus Prinzip. Aber erst durch WorkTime habe ich verstanden, was es konkret bedeutet. Leute schauen sich an, was du gebaut hast, und geben dir Hinweise, die du wirklich gebrauchen kannst. Mit diesem Feedback wird die App besser, als ich sie allein hätte machen können. Ich habe zwar erlebt, dass viele Open-Source-Projekte irgendwann einschlafen. Bei WorkTime war es das Gegenteil, weil die Rückmeldungen sie lebendig halten.

Eine App zu betreiben ist die eigentliche Arbeit

Die zweite große Lektion war unbequemer. Eine App lässt sich mit KI zwar erstaunlich schnell bauen, aber mit dem Bauen allein ist es noch lange nicht getan.

WorkTime ist über die Zeit gewachsen. Heute hat die App vier, fünf verschiedene Ansichten: eine fürs Erfassen, eine für den Urlaub, eine Monatsübersicht, ein Dashboard. Jede für sich ergibt Sinn. Zusammen ist die App komplex geworden und erklärt sich nicht mehr von selbst. Das liegt auch am Thema. Arbeitszeiterfassung ist kein einfaches Feld, da hängen Pausenregeln, Feiertage, Urlaubsansprüche und Überstunden dran.

Aus der Community kam dann der Wunsch, das Ganze wieder zu vereinfachen. Verständlich. Nur ist das gar nicht so leicht. Aus fünf Ansichten wieder eine zu machen heißt, dass alle, die die App schon nutzen, sich komplett neu zurechtfinden müssen. Eine Vereinfachung für die einen ist eine Zumutung für die anderen. Und wie viele Nutzer es sind, weiß ich ja, wie gesagt, nicht.

Dann ist da die Verantwortung. Bei mir in der Firma erfassen Kollegen ihre Arbeitszeit mit der App und verlassen sich darauf. Ein Rechenfehler bei den Überstunden ist dann nicht mehr nur mein privates Problem. Es geht um die Stunden und den Urlaub von echten Menschen. Das ändert den Blick auf jede einzelne Änderung. Bevor ich heute etwas anfasse, überlege ich zweimal, was es an anderer Stelle auslösen könnte.

Dazu kommen die ganz normalen Mühen des Betriebs. Irgendwo ändert sich eine Version, und plötzlich muss ich nachziehen. Jemand findet einen Fehler, und wenn er wichtig ist, muss ich ran. Ein ganzes Wochenende habe ich mal mit sechs Versionen hintereinander verbracht, nur um die Fehler der jeweils vorherigen zu beheben.

KI hilft mir auch dabei, keine Frage. Aber sie nimmt mir das nicht ab. Die Arbeit ist nicht vorbei, wenn die App fertig ist. Sie fängt dann erst richtig an.

Was das überhaupt möglich macht

Dass ich so etwas kann, liegt nicht an einer Ausbildung zum Entwickler. Ich bin kein Profi. Möglich wird es durch eine strukturierte Arbeitsweise mit KI, die wir bei cpcMomentum gemeinsam mit unserem Software-Entwickler aufgebaut haben.

Das heißt nicht, dass die KI den Code schreibt und alles gut ist. Es heißt: Ich überlege erst, was ich genau will, beschreibe es, und gehe dann in klaren Schritten vor. Planen, umsetzen, prüfen. Die KI macht das Tempo. Das Urteil, ob etwas gut genug ist, bleibt bei mir. Genau dieses Vorgehen ist der Unterschied zwischen einem netten Versuch und einer App, die andere wirklich benutzen können.

Warum ich überhaupt angefangen habe, mir eigene Apps zu bauen, habe ich an anderer Stelle aufgeschrieben.

Wie es weitergeht

WorkTime ist nicht fertig, und das wird sie wohl nie sein. Das Design will ich grundlegend überarbeiten, damit die App wieder einfacher wird. Und unter der Haube steht irgendwann ein größerer Umbau an, weil die Technik, auf der sie aufbaut, in die Jahre kommt.

Aber das ist eine eigene Geschichte. Wer Nextcloud nutzt und das gleiche Problem mit der Zeiterfassung hat, kann sich WorkTime im App Store ansehen. Über alles Weitere werde ich berichten.