Warum diese Website

3. Okt. 2025

Warum diese Website

Wenn mich jemand fragt, was ich eigentlich mache, fällt mir die Antwort oft schwer. Zu viele Rollen, zu viele Firmen - ich weiß in dem Moment nie genau, wo ich anfangen soll und was ich zuerst erzähle.

Gleichzeitig habe ich in meinem Berufsleben einiges erlebt: als Berater, als Gründer, auch als jemand, der ein paar Firmen wieder zumachen musste. Nichts davon ist weltbewegend. Aber einiges davon wäre es wert, aufgeschrieben zu werden. Nicht im Minutentakt, wie es Social Media verlangt. In einer Form, in der ich mich wohl fühle.

Deshalb diese Seite.

Warum nicht einfach LinkedIn

Der naheliegende Ort für das, was ich vorhabe, wäre LinkedIn. Ich habe dort ein Profil, bin aber kaum aktiv. Mehr eine Pflichtpräsenz.

Die Art, wie man sich dort darstellen muss, damit der Algorithmus etwas ausspielt, ist nicht meine. Und ich habe keine Lust, mir laufend zu überlegen, zu welcher Tageszeit ein Beitrag die meiste Reichweite erzeugt, ob ein Link besser in den Kommentar statt in den Beitrag gehört, welches Format gerade läuft. Ich möchte hin und wieder etwas teilen, was mir sinnvoll erscheint. Ohne das Regelwerk, wie man Reichweite maximiert.

Dazu kommt: Was ich dort schreibe, gehört mir nicht wirklich. Der Algorithmus entscheidet, wer es sieht. Der Betreiber entscheidet, ob das Profil morgen noch da ist. Beides liegt in den USA.

Digitale Souveränität ist keine neue Idee für mich

Seit ungefähr 2021 halte ich mich an eine einfache Regel. Nicht aus Trotz. Und nicht, weil alles an US-Software schlecht wäre. Sondern weil mir wichtig ist, dass das, was ich betreibe, in einem Rechtsrahmen läuft, der zu mir passt.

Am liebsten eine deutsche Lösung. Wenn das nicht geht, dann gerne auch in der EU. Eine US-Lösung nur dann, wenn es wirklich keine andere Option gibt.

Das Prinzip wende ich nicht nur bei Software an. Ich kaufe, wo es möglich ist, regional. Aus der Stadt, dem Land, wenigstens der EU. Mir ist wichtig, dass Wertschöpfung dort bleibt, wo ich lebe.

Dass diese Haltung keine akademische Übung ist, hat für mich Anfang 2025 ein Ereignis deutlich gemacht. Die US-Regierung hat den Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs auf eine Sanktionsliste gesetzt, weil er einen juristischen Auftrag erfüllt hatte, der in Washington politisch nicht passte. Die Folgen waren schnell sichtbar: sein Microsoft-Account nicht mehr nutzbar, Kreditkarten und Bankkonten gesperrt. Wer im Detail wie gehandelt hat, ist zwischen Microsoft und dem ICC bis heute umstritten. Der eigentliche Punkt ist ein anderer: Eine einzige politische Entscheidung in Washington, und US-Tech-Konzerne und Zahlungsdienstleister reagieren fast reflexartig. Eine Person ist innerhalb weniger Wochen von ihrer digitalen und finanziellen Infrastruktur abgeschnitten. Dass so etwas überhaupt passieren kann, finde ich schon krass.

Deshalb ist diese Seite für mich auch nichts anderes als die konsequente Anwendung meiner Haltung auf den Bereich, in dem ich beruflich sichtbar bin.

Warum selbst gebaut

Ein Baustein meiner Unabhängigkeitsstrategie ist seit Jahren die Nextcloud. Privat, und in mehreren Firmen, an denen ich beteiligt bin. Sie ist einfach, selbst zu hosten, bezahlbar, und sie macht vieles, was das Microsoft-Ökosystem auch macht. Nur datensouverän, nach Regeln, die hier gelten und nicht in Washington geschrieben werden.

Anfangs wurde ich dafür im Kollegenkreis belächelt. Inzwischen finden es alle gut, und wir stellen nach und nach weitere Firmen und Beteiligungen auf Nextcloud oder andere datensouveräne Lösungen um.

In den letzten Monaten ist ein Faktor dazugekommen, den ich vor zwei Jahren nicht vorhergesehen hätte: Mit KI-Tools wie Claude Code kann ich inzwischen selbst Software für die Nextcloud schreiben. Und auch diese Seite habe ich eigenhändig damit gebaut. Claude Code kommt aus den USA - und ja, das ist ein Widerspruch zu dem, was ich gerade gesagt habe. Aber ich bin kein blinder Fanatiker: Wo es eine sinnvolle europäische Lösung gibt, nehme ich sie. Wo es noch keine gibt, die mitspielt, nehme ich die beste verfügbare, und halte die Augen offen.

Nicht, weil es einfacher wäre. Weil es geht, und weil es zu mir passt.

Was passieren soll

Das ist der Anfang. Ich werde hier unregelmäßig schreiben: über Gründer-Erfahrungen, über Tools, über Themen, die mich bewegen, über das, was ich bei meinen eigenen Nextcloud-Apps lerne.

Die Seite ist selbst gebaut, selbst gehostet in Deutschland, ohne Tracking, ohne US-Dienste.

Was daraus wird, weiß ich noch nicht. Das gehört bei mir dazu.